Anleitung: Braut-Strauß „Elfriede“ häkeln

Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkelnIst sie nicht ganz bezaubernd, die kleine gehäkelte Elfriede? Kaum zu glauben, dass ich sie am Abend unserer Hochzeit im hohen Bogen durch die Luft geworfen habe – aber immerhin ist sie ein Braut-Strauß. Und den muss man bei Hochzeiten bekanntlich werfen. Die ihn dann fängt, muss bekanntlich als nächste heiraten. Eine Anleitung und über Hochzeits-TamTam.

Konventionen und Klischees

Ich mochte noch nie Sachen so machen „weil man das eben so macht“. Unsere Hochzeit war kein „Traum in Weiß“ und schon gar nicht „der schönste“ Tag in unserem Leben – ich hoffe doch, dass sich das immer noch steigern lässt!

Es war ein wunderbarer Tag mit Familie, Freunden, ganz viel Liebe, gutem Essen und dem ein oder anderen alkoholischen Getränk. Aber eben nicht nur typischer Hochzeits-Schnickschnack (wenn wir die Wahl haben, viel Geld für Tüll und Tand oder stattdessen für viel Essen und Getränke auszugeben, gewinnt immer Letzteres).Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Ich finde daher, die kleine Straußen-Dame Elfriede passt da hervorragend: Das Braut-Strauß-Werfen bekommt durch sie einen etwas ironischen Beigeschmack – und es war einfach eine richtig schöne Überraschung für unsere GästInnen, die sich zum Fangen aufgestellt hatten.

Was Du können solltest

Ich würde mal sagen, Elfriede ist ein Anfänger-Tierchen, da das Garn relativ dick und leicht mit der Häkelnadel „zu bearbeiten“ ist. Wenn Du noch nie Amigurumi-Tierchen gehäkelt hast, habe ich Dir hier den entsprechenden Basic-Artikel verlinkt.

Die bebilderten Schritte zeigen Dir, wie Du bei den einzelnen Elementen vorgehen musst.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Was Du brauchst:

  • Für Kopf und Füße: Baumwollgarn in Rosa, ca. 50g (Stärke 3-4)
  • Für Körper und Flügel: Baumwollgarn in Schwarz, ca. 50g (Stärke 3-4)
  • Für Flügelspitzen und Halskrause: Weißes Baumwoll- oder Merinogarn, ca. 10g (Stärke 3-4 oder weniger bei Merino)
  • Eine Häkelnadel, stärke 4-4,5
  • Füllmaterial: Stoff- oder Wollreste und zwei Hände voll trockene (Kicher-)Erbsen
  • Für den Schleier, wenn gewünscht: Ein bisschen weißen Stoffrest, Basteldraht, Perlen, Nähgarn und Nähnadel

Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkelnSchritt 1: Kopf und Hals häkeln

Kopf und Hals werden in einem Stück gehäkelt. Du beginnst quasi an der oberen Seite des Kopfes, indem Du einen 10er Maschenring anschlägst.

Den verbreiterst Du durch gleichmäßige Maschenzunahme, bis Du 35 Maschen im Rund hast.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

So häkelst Du dann 12 Runden lang, bis Du wieder mit der Abnahme beginnst. Hierfür häkelst Du immer 6 Maschen und lässt dann eine aus. Mit der Abnahme machst Du weiter, bis nur noch 17 Maschen im Rund sind.

Mit diesen 17 Maschen häkelst Du dann 17 Runden weiter, das ist dann der Hals. Achte darauf, dass Du noch vor Beginn des Halses den Kopf mit Füllmaterial ausstopfst – sobald der Hals einmal fertig ist, wird das Ausstopfen des Kopfes schwierig.

Schritt 2: Füße häkeln

Die Füße beginnst Du sozusagen umgekehrt zum Kopf – Du fängst also am oberen Ende des jeweiligen Straußen-Beines an.

Hierfür schlägst Du einen 8er Luftmaschenring an und häkelst in Runden, bis Du insgesamt 14 Stück hast. Dann verbreiterst Du die Runde gleichmäßig auf 20 Maschen, indem Du immer 4 Maschen häkelst und dann in eine Masche zwei Mal einstichst und feste Maschen häkelst.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Für die „Zehen“ (nennt man das bei Vögeln so?) gehst Du vor, wie wenn Du einen Fingerhandschuh stricken würdest: Du häkelst 4 Luftmaschen und stichst dann am gegenüberliegenden Drittel des Fußes ein und häkelst eine feste Masche.

Die spitze Zehe entsteht, indem Du sie ab jetzt in Runden häkelst und gleichzeitig abnimmst – hierfür häkelst Du immer 4 Maschen und lässt dann eine aus, bis die „Zehe“ geschlossen ist.

Für die zweite „Zehe“ musst Du den Faden neu ansetzen und am Rand der ersten Zehe Maschen aufnehmen. Die Verbindung zwischen den beiden Seiten des noch offenen Fußes überbrückst Du wieder mit 4 Luftmaschen. Das spitz zulaufende Häkeln mit Maschenabnahme machst Du genau wie beim ersten Zeh.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Für die letzte Zehe setzt Du wieder den Faden neu an – hier ist das Rund ja schon vorgegeben und Du kannst gleich mit dem spitz zulaufenden Häkeln mit Maschenabnahme beginnen.

Schritt 3: Körper häkeln

Der Körper ist so ziemlich der einfachste Straußen-Teil: Du nimmst das schwarze Garn und beginnst mit einem 10er Maschenring. Den vergrößerst Du durch gleichmäßige Zunahme, bis Du insgesamt 48 Maschen im Rund hast.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Mit diesen Maschen häkelst Du nun weitere 16 Runden, bis Du mit der Abnahme weitermachst. Hierfür häkelst Du immer 8 Maschen und lässt dann eine aus.

Sobald die Öffnung noch ca. 5-10 cm groß ist, füllst Du die unteren zwei Drittel des Körpers mit trockenen Erbsen oder Kichererbsen. Wenn der Strauß in Kinderhände gelangen sollte, überlege Dir lieber, ob Du das Füllmaterial nicht vorher in einen Stoffbeutel fest einnähen solltest (Verschluck-Gefahr hoch drei würde ich sagen).Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Normalerweise sollten die Häkelmaschen allerdings so dicht sein, dass keine Erbse rausfallen kann. Aber sicher ist sicher.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Auf die Erbsen-Füllung kommt noch etwas weiches Füllmaterial zum Abschluss. Nimm ruhig eine ganze Menge, damit alles schön fest ausgestopft ist. Nur wenn Körper und Hals fest ausgestopft sind, wackelt der Kopf später nicht auf dem Hals und dem Körper rum und die liebe Elfriede kann ganz gerade sitzen.

Schritt 4: Schnabel häkeln

Der Schnabel besteht sozusagen aus zwei „Tüten“: Hierfür beginnst Du mit einem 24er Luftmaschenring. Eine Runde häkelst Du feste Maschen, dann häkelst Du immer 8 Maschen und lässt eine aus.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

 

Die beiden „Tüten“ nähst Du dann unten an einer Seite zusammen, sodass ein Schnabel entsteht.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Schritt 5: Die Flügel häkeln

Bei den Flügeln musste ich an meine kleine gehäkelte Eule denken – bei der funktionieren die Schwingen nämlich sehr ähnlich.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Du schlägst mit dem schwarzen Garn 18 Luftmaschen an und häkelst dann eine Reihe feste Maschen. In der nächsten Hinreihe häkelst Du statt den 18 nur 17 Maschen, dann wieder die Rückreihe.

Die nächste Hinreihe bekommt nur 16 Maschen, dann wieder eine Rückreihe. Wenn Du das auf diese Weise insgesamt 5 Mal machst, entsteht ein Häkelstück mit einer „ausgefransten“ Seite, die immer kürzer wird.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Das Ganze wird dann noch mit weißem Garn als Abschluss umhäkelt. Immer an den Stellen, wo der Flügel kürzer wird, stichst Du für die feste Masche mit dem weißen Garn „weiter“ in den Flügel rein – so sieht es fast ein wenig aus, als hätte der Flügel durch Weiß abgegrenzte Federchen.

Schritt 6: Der letzte Schliff und Zusammennähen

Die beiden Straußen-Füße bekommen nun noch ein paar „Krallen“ mit dem braunen Garn, bevor Du sie annähst.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Wenn Du sie etwas nach vorne versetzt am Körper anbringst, sitzt Elfriede schön auf Tischkanten oder Fensterbrettern – die Beine dürfen ruhig ein bisschen baumeln, denn durch die Erbsen im Bauch hat sie genug Gewicht zum Sitzen.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Den Schnabel nähst Du am unteren Drittel des Kopfes an.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Ein paar kleine schwarze Knopfaugen dazu und schwarze mit Garn aufgestickte Wimpern geben Elfriede den niedlichen Gesichtsausdruck.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Den Hals solltest Du nochmal vor dem Aufnähen prüfen – nur, wenn er gut ausgestopft ist, hält er auch und knickt später nicht weg. Um den Halsansatz direkt über dem Körper kannst Du zur Zierde noch einen Kragen aus weißen Luftmaschen-Schlaufen häkeln.

Hierfür stichst Du immer für eine feste Masche ein, häkelst dann 4 Luftmaschen, stichst wieder für eine feste Masche ein… und so weiter – bis Du eben einmal ganz um den Hals herum bist udn sich eine Art „Krause“ gebildet hat.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Der Clou an Elfiede ist ja nicht nur, dass sie ein Strauß ist – sondern eben ein Braut-Strauß. Deshalb sollte sie noch ein Detail bekommen, das sie ganz klar mit dem Wort „Braut“ in Verbindung bringt. Was bietet sich da besser an, als ein Schleier?Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Hierfür habe ich mir einfach einen taschentuchgroßen weißen Stoffrest genommen, habe ihn grob eingefasst und an einen kleinen Drahtring mit Perlen angebracht.Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Dann kann man ihn schön an Elfriedes Kopf annähen – vielleicht nur mit ein paar Stichen, dann wäre er später leicht abtrennbar, wenn die Fängerin die kleine Elfriede von ihrem Schleier befreien will.

Wenn Du ihr noch ein paar Blümchen am Flügel befestigst, sieht sie wirklich wie ein Braut-Strauß aus.

Von gefangenen Sträußen

Ich geb’s ja zu: Ich hab letztes Jahr im Oktober auf einer Hochzeit selbst den echten Brautstrauß gefangen und es war witzig. Ich bin aber oft schon sehr hin- und hergerissen: Nur weil etwas konventionell ist, muss es ja nicht gleich veraltet oder steif sein.

Was mich am Konzept des Brautstrauß-Werfens allerdings stört: Frauen wird per se unterstellt, dass sie sich nichts sehnlicher wünschen, als selbst zu heiraten. Deswegen sollen sie sich dann alle um ein paar Schnittblumen prügeln, um den jeweiligen Partnern nach dem Fangen einen heftigen Wink mit dem Betonpfeiler geben zu können: „Frag mich endlich!“ – weil: Der Mann muss das ja machen mit dem Antrag. (Achtung: Maßlose Übertreibungen im vorangegangenen Absatz möglich.)Anleitung: Braut-Strauß "Elfriede" häkeln

Meine kleine Elfriede ist eine Ode an das Unkonventionelle und der Wunsch, dass doch jeder bitte sein Leben so leben soll, wie er/sie es mag: Verheiratet, unverheiratet, monogam, polyamor, mit Kindern, ohne Kinder…

Und wenn das nächste Mal jemand fragt: „Und, wann heiratet ihr/bekommt ihr Kinder/bekommt ihr das zweite Kind/baut ihr endlich ein Haus?“ – möget ihr alle antworten:

„Meine Lebensplanung geht nie weiter als bis zum nächsten Nickerchen. Wobei – ein geiler Teller Nudeln davor wär schon auch nicht schlecht!“

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