Diesen Sommer kam mir der Gedanke, mir eine kleine feine Jacke zu häkeln. Diese Jacke hier hat es mir so sehr angetan, dass mich das Häkelfieber auch nach der ersten Version in Grau nicht losgelassen hat: Das Muschelmuster macht süchtig, weswegen ich die Jacke kurzerhand „Shell Cardigan“ getauft habe. Wie sie gehäkelt wird, zeige ich euch hier.
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Wie immer, alles ohne Gewähr
Während ich diese Anleitung aufgeschrieben habe, ist mir Mal wieder bewusst geworden, was ich hier eigentlich mache: Komplett kostenlose Anleitungen online stellen – einfach, weil ich Spaß dran habe.
Sind meine Anleitungen perfekt? Nein. Aber sie sind eben kostenlos. Ohne Test-Häkeln, ohne Support-Team und mit Wartezeiten bei Kommentaren oder Fragen (weil mein Blog neben Familie, Erwerbsarbeit usw. nicht an Platz 1 auf meiner Prio-Liste steht). 
Es ist und bleibt ein sehr wunderbares Hobby, bei dem ich immer wieder einen ganz tollen Austausch mit wunderbaren Menschen pflegen kann, mein Wissen weitergeben darf und selbst lerne ich dabei seit Jahren eine ganze Menge dazu.
Zur Info vorab
Meine ursprüngliche Jacke in Grau ist etwas anders gehäkelt als die Gelbe, auf der diese Anleitung hier basiert. Also wundere dich nicht, wenn der graue Cardigan auf den Bildern etwas anders aussieht als hier beschrieben.
Die gelbe Version ist tatsächlich etwas vereinfacht – weniger komplizierte Abnahmen am Rückenteil und an den Seitenteilen, die sich einfach schwer beschreiben ließen.
Noch eine wichtige Info: Die Bündchen habe ich angestrickt, weil ich die Optik einfach schöner finde. Bündchen lassen sich auch anhäkeln, allerdings nicht hoizontal, sondern vertikal.
Wem das zu schwierig ist, kann als Abschluss einfach ein paar Reihen feste Maschen versuchen und das Ganze „umhäkeln“, damit es gerade Kanten gibt.
Weiter unten im Artikel habe ich außerdem beschrieben, wie man ein Knopfloch häkelt.
Meine Größe
Aktuell trage ich eine Größe 42/44 würde ich sagen – wobei das ja immer sehr schwankt. Ich mag Oberteile und Jacken gerne etwas weiter, also habe ich von 40 bis 48 alles Mögliche im Schrank. 
Die Einzelteile habe ich aber nochmal genau nachgemessen, die Angaben sind jeweils weiter unten zu finden.
Was Du können solltest
Mir ist es immer ein Anliegen, dass auch AnfängerInnen mit meinen Anleitungen gut zurecht kommen. Das ist hier auf jeden Fall gegeben würde ich sagen: Feste Maschen und einfache Stäbchen lassen sich auch für AnfängerInnen gut meistern.
Das Muster besteht aus „Stäbchen-Muscheln“, hierzu habe ich eine separate Anleitung gemacht, in die Du an dieser Stelle unbedingt reinschauen solltest, um die Technik und Maschen-Aufteilung zu verstehen.
Hierzu werde ich in dieser Anleitung nichts weiter erklären sondern davon ausgehen, dass bei Unklarheiten in die Muster-Anleitung geschaut wird.
Was Du brauchst
Ich habe ziemlich exakt 10 Knäuel Cotton Kings 8/4 von hobbii.de verwendet. Jedes andere Garn in 8/4 eignet sich aber garantiert auch (zum Beispiel das hier, denn leider ist die Cotton Kings zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht mehr in allen Farben verfügbar).
Wenn Du die Jacke mit Knöpfen haben möchtest, benötigst Du hiervon 7 Stück (Durchmesser ca. 2 cm). Allerdings geht der Cardigan natürlich auch ohne Knöpfe, wenn Du ihn ohnehin lieber offen tragen möchtest. 
Eine Häkelnadel der Stärke 3,5 brauchst Du und (wenn Du auch Bündchen anstricken möchtest) eine Rundstricknadel der Stärke 3,5.
Schritt 1: Die Einzelteile häkeln
Der Cardigan wird in Einzelteilen gehäkelt und besteht aus insgesamt 5 Teilen: 1 Rückenteil, 2 Vorderteile und 2 Ärmel. Die einzelnen Teile werden am Ende zusammengenäht. 
Vor dem Zusammennähen kannst Du Bündchen an die unteren Kanten des Rückenteils und der Seitenteile stricken und natürlich an die Ärmel-Enden.
Rückenteil (50 cm lang, 48 cm breit)
- Maschenanschlag: 100 Luftmaschen
- 2 Reihen feste Maschen
- 5 Reihen Muschelmuster gefolgt von 4 Reihen feste Maschen
- dieser Musterteil wird insgesamt 6 Mal gehäkelt
- dann folgen nochmal 5 Reihen Muschelmuster
Dann wendest Du die Arbeit und häkelst weiter mit festen Maschen. Nun beginnt der Abschnitt mit „Abnahmen“, damit ein kleiner Hals-Auschnitt entsteht. Hierfür häkelst Du erst die eine Seite, dann die zweite wie folgt:
- 36 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln
- Nächste Reihe nur noch 33 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln
- Nächste Reihe nur noch 30 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln. Faden abschneiden und durch die letzte Masche durchziehen.
Dasselbe wiederholst Du auf der anderen Seite des Häkelstücks, dafür setzt Du natürlich einen neuen Faden an.
Für das gestrickte Bündchen nimmst Du entlang der unteren Kante Maschen auf und strickst 10 Reihen in Hin- und Rückreihen im Rippenmuster. Achte darauf, dass Du locker abkettest.
Seitenteile (je 50 cm lang, je 25 cm breit)
Von den Seitenteilen benötigst Du insgesamt 2. Hier beschreibe ich, wie Du vorgehst:
- Maschenanschlag: 52 Luftmaschen
- 2 Reihen feste Maschen häkeln
- 5 Reihen Muschelmuster gefolgt von 4 Reihen feste Maschen
- dieser Musterteil wird insgesamt 6 Mal gehäkelt
- dann folgen nochmal 5 Reihen Muschelmuster.
Anschließend wendest Du die Arbeit und häkelst weiter mit festen Maschen. Nun beginnt (wie beim Rückenteil) der Abschnitt mit „Abnahmen“, damit auch hier ein kleiner Hals-Auschnitt entsteht.
- 36 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln
- Nächste Reihe nur noch 33 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln
- Nächste Reihe nur noch 30 feste Maschen häkeln, Arbeit wenden und zurück häkeln. Faden abschneiden und durch die letzte Masche durchziehen.
Für das gestrickte Bündchen nimmst Du entlang der unteren Kante Maschen auf und strickst 10 Reihen in Hin- und Rückreihen im Rippenmuster. Achte darauf, dass Du locker abkettest.
Lisitipp: Das zweite Seitenteil wird einfach identisch gehäkelt. Da das Muster von vorne und hinten genau gleich aussieht, kannst Du den zweiten Seitenteil dann einfach am Ende umdrehen, dann passt alles.
Ärmel (Breite unten 40 cm/oben 24 cm, Länge ca. 48 cm)
Die Ärmel werden mit Abnahmen gehäket, sodass sie am Anfang breiter sind und nach oben hin etwas schmaler werden.
- Maschenanschlag: 80 Luftmaschen
- 2 Reihen feste Maschen häkeln
- 5 Reihen Muschelmuster gefolgt von 4 Reihen feste Maschen
- dieser Musterteil wird insgesamt 2 Mal gehäkelt
- dann folgen nochmal 5 Reihen Muschelmuster.
Ab jetzt häkelst Du die Abnahmen immer während der 4 Reihen feste Maschen, indem Du in jeder Reihe die letzte Masche der Reihe einfach entfallen lässt, und die Arbeit nach der vorletzten festen Masche wendest.
So verringerst Du pro feste-Maschen-Abschnitt die Gesamtzahl der Maschen um 4 Maschen. Insgesamt hast Du 5 solche Abschnitte zu häkeln (dazwischen natürlich immer die 5 Muschelmuster-Reihen nicht vergessen).
Maschenanzahlen:
Ende Abschnitt 1: 80 – 4 = 76 Maschen
Ende Abschnitt 2: 76 – 4 = 72 Maschen
Ende Abschnitt 3: 72 – 4 = 68 Maschen
Ende Abschnitt 4: 68 – 4 = 64 Maschen
Ende Abschnitt 5: 64 – 4 = 60 Maschen
Nach der letzten Abnahme folgen nochmal 3 Reihen im Muschelmuster, bevor Du das Bündchen anstrickst.
Für das gestrickte Bündchen nimmst Du entlang der oberen Kante Maschen mit der Rundstricknadel auf und strickst 10 Reihen in Hin- und Rückreihen im Rippenmuster. Achte darauf, dass Du locker abkettest.
Lisitipp: Ich mag es, wenn das Bündchen etwas enger sitzt, deshalb habe ich nach Aufahme der Maschen in der ersten Rückreihe immer 3 Maschen gestrickt und dann die nächsten 2 Maschen rechts zusammengestrickt (Maschenanzahl von 60 auf 48 veringern).
So verringert sich die Maschenanzahl etwas und man bekommt einen ganz kleinen Ballonärmel-Effekt.
Schritt 2: Zusammennähen
Die Einzelteile werden anschließend alle zusammengenäht und die Fäden vernäht. Ich habe es bei meinen Jacken so gemacht, dass ich erst Mal eine Weste hatte und dann anschließend die bereits geschlossenen Ärmel angenäht habe. Sieht als Weste eigentlich auch ganz cool aus. 
Es gibt aber eine weitaus einfachere Methode, so eine Jacke zusammen zu nähen. Wie Du das am besten anstellst, habe ich Dir hier Mal aufgezeichnet:
Zuerst werden die einzelnen Teile entlang der grün eingezeichneten Linien aneinander genäht – erst Rückenteil und Seitenteile, dann nähst Du die noch offenen Ärmel an.
Entlang der roten Linie faltest Du die Jacke dann, und schließt die Seitennähte auf beiden Seiten und die Ärmel in jeweils einer langen Naht.
Schritt 3: Knopfleisten und Kragen
Die Knopfleisten und der Kragen werden in einem langen Stück angestrickt. hierfür nimmst Du entlang der Kante Maschen auf und strickst in Hin- und Rückreihen.
Lisitipp: Damit sich oben am Kragen schöne Ecken ergeben, musst Du die Maschenanzahl um die Ecken herum erweitern.
An jeder Ecke werden also pro Hin- und Rückreihe je 2 weitere Maschen hinzugewonnen, indem Du sie wie bei einer Raglan-Zunahme aus einzelnen Maschen „herausstrickst“.
- Maschenmarkierer vor und hinter der „Eckmasche“ platzieren
- in die letzte Masche vor dem Maschenmarkierer erst hinter der Nadel einstechen, eine Masche herausstricken (ohne die Masche, in die eingestochen wurde, von der Nadel zu heben), dann nochmal vor der Nadel einstechen und eine zweite Masche herausstricken und wie gewohnt die Masche, in die eingestochen wurde, abheben.
- bei der ersten Masche nach dem Maschenmarkierer machst Du es genau so.
Dieses Vorgehen wiederholst Du in jeder Hinreihe und jeder Rückreihe an den beiden Ecken. So bildet sich eine schöne Ecke.
Nach insgesamt 3 Hin- und Rückreihen beginnst Du, auf der rechten Seite die Knopflöcher einzuarbeiten. Hierfür werden Maschen zwischendurch abgekettet, die in der folgenden Reihe dann wieder aus dem Arbeitsfaden aufgenommen werden.
Für das erste Knopfloch strickst Du die ersten 4 Maschen wie gewohnt. Dann strickst Du die 5. Masche und hebst anschließend die vorher gestrickte Masche (also die 4. Masche der Reihe) über die 5., wie wenn Du eine Masche abkettest. Das wiederholst Du bei der nächsten Masche genau so.
Dann strickst Du 11 Maschen normal, bevor Du wieder 2 Maschen wie oben beschrieben abkettest. Insgesamt arbeitest Du so 7 Knopflöcher ein.
In der nächsten Rückreihe nimmst Du an den abgeketteten Stellen immer 2 neue Maschen aus dem Arbeitsfaden auf. Nach 2 weiteren Reihen kettest Du locker ab.
Lisitipp: Je nachdem, wie viele oder wenige Knöpfe Du magst, kannst Du die Abstände zwischen den Knopflöchern natürlich auch verringern oder erweitern.
Meine Knöpfe haben einen Durchmesser von 2 cm. Wenn Du größere oder kleinere Knöpfe verwendest, musst Du die abgeketteten Maschen anpassen (weniger oder mehr abketten).
Jetzt musst Du nur noch deine Knöpfe annähen und die restlichen Fäden vernähen.
Bei Baumwolle finde ich, muss man nicht unbedingt waschen und spannen, aber natürlich kannst Du das gerne machen. Ich achte darauf, solche Baumwoll-Sachen nach dem Waschen in der Maschine schön glatt zu schütteln und am Bügel zu trocknen, damit sich alles ein bisschen „aushängen“ kann, nachdem ich es in Form gezupft und gezogen habe.
Lisitipp: Was, wenn ich nicht stricken kann?
Kein Problem: Entweder umhäkelst Du die Jacke am Ende einfach nur mit festen Maschen (statt der Knopfleisten), ohne Knöpfe ist die Jacke einfach zum Drüberziehen und bleibt offen.
Wenn es unbedingt Knöpfe sein sollen, geht das auch. Hierfür musst Du in regelmäßigen Abständen 2-3 Luftmaschen häkeln und anschließend 2 feste Maschen auslassen, bevor Du wieder mit festen Maschen weiterhäkelst. So entsteht ein Knopfloch.
Während ich diese Anleitung hier schreibe, kommen mir lauter Ideen für weitere Anleitungen: Wie man eine Raglan-Zunahme macht (und eben schöne gestrickte Ecken hinbekommt) oder eben, wie man im Detail Knopflöcher strickt oder häkelt.
Also, macht euch auf was gefasst in den nächsten Monaten!
