Bio und fair stricken: Rosy Green Wool

Rosy Green Wool Merino
© Rosy Green Wool

Wer Selbstgestricktes oder -gehäkeltes trägt, trägt immer auch fair trade. Oder? Klar, schließlich war man doch selber am Werk, und ethischere Produktionsbedingungen als bei einer Tafel Nussschokolade vor dem Fernseher eine Mütze zu stricken sind doch wohl kaum denkbar.

Dass bei der Herstellung einer solchen Mütze jemand gelitten hat, kann man also ausschließen. Wenn man sich dagegen das Rohmaterial anschaut, kommt man schon eher ins Grübeln. Wie wird die Wolle eigentlich produziert, die wir Hobbystricker verarbeiten? Unsere heutige Entdeckung der Woche soll zum Nach- und vielleicht auch zum Umdenken anregen.

Warum viele Merinoschafe leiden

Etwa 90% der weltweit produzierten Merinowolle stammt aus Australien. Dort werden die Schafe natürlich nicht geschlachtet, um an die Wolle zu kommen. Ein Großteil der Tiere wird aber vom Halter einer Operation unterzogen, die sich „Mulesing“ nennt.

Dabei wird den Schafen eine Hautfalte am Hinterteil weggeschnitten, um zu verhindern, dass sich dort Fliegenlarven einnisten. Außerdem wird der Schwanz teilweise kupiert. Das alles passiert ohne Betäubung. Nicht nur diese schmerzhafte Prozedur müssen die Tiere über sich ergehen lassen.

Eine weitere fragwürdige Praxis sind „sheep dips“, bei denen Schafe komplett in giftigen Chemikalien gebadet werden, um Schädlinge oder Pilze abzutöten. Das ist nicht nur unangenehm für die Schafe, sondern auch ungesund für die Farmer und schädlich für die Natur rund um die Schaffarmen.

Eine Alternative für Wollliebhaber

Rosy Green Wool Merino
© Rosy Green Wool

Wer trotz alledem nicht auf das Stricken mit Merinowolle verzichten will, für den gibt es gute Nachrichten. Die Münchnerin Rosmary Stegmann lässt seit 2012 unter dem Label „Rosy Green Wool“ Merinowolle produzieren, die ohne Mulesing und Chemikalienbäder auskommt.

Vom Schaf bis zum fertigen Wollstrang ist das Material deshalb GOTS-zertifiziert, also absolut bio. Und weil alles andere Verschwendung wäre, wird das Garn anschließend in einer englischen Spinnerei auch mit Biofarben gefärbt.

Rosy Green Wool im Praxistest

Rosy Green Wool Merino
© Rosy Green Wool

Als ich von dieser besonderen Wolle zum ersten Mal gelesen habe, war ich vom Konzept begeistert und musste sofort testen. Zwar kann man die Stränge auch online bestellen, der Wollladen meines Vertrauens führt sie aber auch und wurde direkt von mir heimgesucht. Inzwischen habe ich mehrere Mützen aus Rosy Green Wool und mein Hawser wird das erste komplette Kleidungsstück sein, das ich daraus stricke. Mein persönliches Fazit zur Wolle:

Pro

  • Unglaublich weich. Wer an die kratzigen Wollpullis von Oma denkt (und glaubt mir, schon beim Gedanken juckt es mich im Nacken): Das hier ist eine ganz andere Liga. Rosy Green Wool ist die einzige Wolle, die ich direkt auf der Haut tragen kann.
  • Schöne Farben. Man denkt ja bei Bio-Farben unwillkürlich an, naja, beruhigende Erdtöne von matsch bis dunkelschlamm. Wer sich die leuchtenden 16 Farbtöne von RGW anschaut, kann kaum glauben, dass so etwas mit Bio-Farben möglich ist. Wieso macht das dann sonst keiner?!
  • Superwash-Qualität. Man kann die fertigen Strickteile bei 30 Grad in der Maschine waschen. (Naja, könnte. Meine Waschmaschine und ich haben grade eine Vertrauenskrise.)

Contra

  • Teuer. 100g Big Merino Hug (das ist das worsted weight Garn von Rosy Green Wool) kosten 16,50 Euro. Puh. Die Investition für einen Pulli habe ich mir da schon sehr gut überlegt. Als Mützenstricker kriegt man dagegen aus einem Strang eine Erwachsenenmütze und eine Babymütze raus, da ist der Materialpreis schon wieder unter 9 Euro pro Mütze.
  • Pilling. Wenn man mehrmals auftrennen und neu stricken muss, pillt das Garn. Interessanterweise war das bei meiner fertigen RGW-Mütze kaum der Fall, obwohl die mit ständigem Auf- und Absetzen, In-die-Tasche-gestopft-werden und Im-Bus-liegenbleiben kein leichtes Leben hat. In beiden Fällen lassen sich die Pillings aber leicht mit der Hand entfernen.
Rosy Green Wool Merino
© Rosy Green Wool

Vielen Dank an Rosy Green Wool für die Erlaubnis, ihre Bilder zu verwenden!

2 Gedanken zu “Bio und fair stricken: Rosy Green Wool

    1. „Superwash“ bedeutet, dass die Wolle in der Spinnerei chemisch so behandelt wird, dass die Fasern nicht mehr verfilzen können. Das würde beim Waschen in der Waschmaschine normalerweise passieren (und ist vielen Strickern leider auch schon passiert.) Wolle mit Superwash-Ausrüstung kann man dagegen in der Maschine waschen, ohne dass sie verfilzt. Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage.
      Liebe Grüße
      Kathi

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