Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Anleitung: Pullover mit Hirschmuster strickenStricken war nicht immer hip, zum Glück bin ich mit dem Hobby in meinem Alter aber mittlerweile kein Exot mehr. Mit ein paar anderen Angewohnheiten allerdings schon. Warum ich Streber-sein mittlerweile gut finde und wie ich den Norweger-Hirsch-Pulli gestrickt habe, erfahrt ihr in diesem Artikel hier. Obacht: Jetzt wird’s persönlich.

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Meine innere Streber-Stimme

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich sowas mal stricke, hätte ich der Person einfach nur den Vogel gezeigt: „Einen Pullover? Mit Norwegermuster? Sowas kann ich nicht. Ich strick‘ lieber noch ein Paar Socken.“Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Manchmal muss ich mir sowas einfach bewusst machen, wenn all das schöne Gestrickte, all die Stunden mühevoller Arbeit zusammen mit vielen anderen Klamotten im Regal (nein, ich habe keinen Schrank – ich habe ein offenes Regal) liegt und man ganz vergisst, was man schon alles geschafft hat.

Wer meinem Blog schon länger folgt, fragt sich vielleicht, wie ich das mache. Wo ich die Zeit hernehme, wo die Ideen herkommen, woher die Energie und ob ich nebenher eigentlich auch noch was anderes mache als stricken, kochen, backen. Soll ich euch was sagen? Ich weiß selbst nicht genau, wo die Zeit und Enegie herkommen, aber ich hab dauernd diese unruhige Stimme in mir, die immer wieder sagt: „Mach was! Du musst was machen! Du musst mehr machen! Sei fleißig!“Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Ich war in der Hinsicht schon immer mega uncool. Ich nenne das jetzt bewusst „uncool“, weil alles, was ich je an Lebens-, Lern- und Freizeit-Gewohnheiten hatte (und wahrscheinlich je haben werde) gesellschaftlich gesehen als uncool gelten: Gut in der Schule sein (wie oft ich das Wort „Streber“ in meinem Leben schon gehört habe, kann ich kaum zählen), gerne früh aufstehen, ordentlich sein, pünktlich, perfektionistisch, gründlich, abends gern auf der Couch sitzen mit Hörbuch und Strickzeug.

Sich selbst als „cool“ definieren

Dieses Streber-Dasein hat sich nach der Schule natürlich in der Uni fortgesetzt und auch jetzt im Job witzeln meine Kollegen gerne, dass ich „die bin, die früher die Fleißbildchen gesammelt hat“, wenn ich mich gründlich mit all meinen Listen, Post-Its und Outlook-Erinnerungen durch den Tag plane (unterbrochen natürlich nur von meiner Mittagspause, in der ich mit meinen gefühlt 30 Tupper-Dosen voll selbstgekochtem Essen seelig in die Küche verschwinde und dort mein Vesper abhalte).Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Zum Kotzen? Ja, manchmal öde ich mich selbst an. Mittlerweile übe ich auch an Wochenenden ab und zu das „lange-im-Bett-liegen-bleiben“ und vor allem, wenn ich was getrunken habe, komme ich auch mal weg vom Streber-Gen. Aber ansonsten bin ich dazu übergegangen, mich selbst als cool zu definieren und das was ich gerne mache sowieso. Anders zu sein ist als Kind und vor allem als Jugendlicher oft schwierig, weil man dazugehören möchte.

Wie schön, dass das Erwachsenwerden auch was Positives an sich hat: Man kommt an den Punkt, wo man erkennt, dass man es sowieso nicht allen recht machen kann. Bis mir gänzlich egal sein wird, was andere von mir denken, vergehen sicher noch ein paar Jahre, aber ich arbeite dran (dass ich hier so frei drüber schreiben kann, ist doch auch schon mal ein erster Schritt, oder?).

Die Kehrseite

Was ihr nicht mitbekommt, ist die Kehrseite meiner inneren Streber-Stimme. Zwar treibt sie mich dazu an, mehr zu machen, fleißig zu sein, schnell zu sein, perfekt zu sein. Aber sie hört nie auf, zu nörgeln. Es ist nie genug. Oft verliere ich dann den Fokus auf das, was ich schon alles gemacht habe.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Das ist ein böser Kreislauf, der mich manchmal verschluckt und dann kommen fiese Gedanken angeflogen und ich drehe mich im Kreis: Eigentlich müsste ich auch mal nichts machen, gar nichts, Seele baumeln lassen – aber so richtig kann ich das nur selten. Und oft meldet sich dann doch die Streber-Stimme und will Aufmerksamkeit. Kein Fleißbildchen reicht ihr. Kein neues Paar Socken. Und auch kein Pullover.

Deswegen schaue ich manchmal einfach nur so auf meinem eigenen Blog oder meinem Instagram-Account vorbei, scrolle mich durch die letzten Monate und vergewissere mich: Es ist genug, es ist gelungen, es ist wunderbar.

Warum ich das auf einmal mit euch teile?

Weil ich gerade eben Lust drauf habe. Weil ich keine Lust mehr auf das „alles-ist-so-supi“-Geschreibe habe. Weil ich nicht einfach so eine Anleitung präsentieren kann, wenn mich der Weg dahin in den letzten Monaten irgendwie viel Kraft gekostet hat. Und weil ich keine Maschine bin, auch wenn ich mich manchmal so aufführe (wäre ich eine, wär es eigentlich cool – denn dann hätte ich einen Aus-Knopf. Den wünsche ich mir oft…)Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

So, jetzt mache ich die Kladde zu meinem Seelenleben wieder zu und gebe euch alle Infos zur Anleitung.

Welches Strick-Niveau erwartet Dich?

Ich würde sagen, wenn man das Norwegermuster weglässt, ist der Pulli ansolut anfängertauglich. Vorder- und Rückenteil sind jeweils rechteckig in Hin- und Rückreihen glatt rechts gestrickt, die Ärmel werden mit regelmäßigen Maschenzunahmen auch in glatt rechts gestrickt.

Wenn Du es Dir also leichter machen willst, lass das Norwegermuster erst mal weg – wenn Du möchtest, kannst Du Dir auch einen Ringel-Pulli stricken.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Der wunderschöne Hirsch

Hach, ist er nicht ein Traum? Ich war von Anfang an schwer verliebt, als ich das Muster entdeckt habe (in einem meiner ersten Artikel hier auf Lisibloggt habe ich über diesen Glücksfund im Gruselbuch bereits etwas geschrieben).

Einen Haken hat die Sache natürlich: Ich bin weder die Urheberin dieses Musters, noch berechtigt, es an Dritte weiterzugeben. Ich wurde schon beim damaligen Artikel oft gefragt, woher das tolle Muster stammt, deshalb hier nochmal der genaue Quell-Nachweis:

„Das große Buch der Handarbeiten, BandXI (einmalige Sonderausgabe).
Verantwortlich für den Inhalt: Johannes Haller. Alle Modellle, Zeichnungen und Fotos aus Zeitschriften des Verlages Gruner + Jahr. Erschienen im Jahr 1989, Copyright Gruner + Jahr AG & Co, Hamburg. Gesamtherstellung KLETT DRUCK, Stuttgart, Köln.“

Also kann ich Euch nur empfehlen, das Exemplar zu googeln, und es gebraucht zu kaufen. Soweit ich weiß, sind noch ein paar Bücher im Umlauf und nicht allzu teuer im Netz zu ersteigern.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Ansonsten gibt es im Netz eine Vielzahl von tollen anderen Anleitungen für großflächige Norwegermuster, entweder kostenlos zum Download oder eben zu kaufen. Die Grundanleitung für den Pullover funktioniert dann ganz genau so, nur musst Du beim Vorderteil eben Dein ausgesuchtes Muster einstricken.

Grundanleitung für den Pulli

  • Wolle: Cool Wool Cashmere von Lana Grossa (4 Knäuel in Burgund, 3 in Ziegelrot)
  • Insgesamt habe ich für den Pullover 7 Knäuel mit Nadelstärke 3 verstrickt (ein Knäuel entspricht 50 g und besitzt 160 m Lauflänge).
  • Die Maschenprobe hat bei mir wie folgt ausgesehen: 20 Maschen und 20 Reihen ergaben 7,5 cm Breite und 6 cm Höhe.

Wenn Du selbst eine Maschenprobe beim Stricken machen möchtest, schau hierzu gerne in meinen verlinkten Artikel rein, hier erkläre ich es anschaulich und Du erfährst alles zur Umrechnung von Zentimeter in Maschenanzahl.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Vorder- und Rückenteil stricken

Natürlich dauern diese beiden Teile am längsten, allerdings kann man zumindest das Rückenteil einfach fröhlich in Hin- und Rückreihen vor sich hin stricken – das Vorderteil ist durch das Muster natürlich aufwändiger.

  • Maße:
  • Maschen- und Reihenanzahl:
  • Technik: Die ersten 12 Reihen 2 rechts, 2 links stricken / ab dann glatt rechts (in den Hinreihen rechte, in den Rückreihen linke Maschen) stricken / die letzten 12 Reihen wieder 2 rechts, 2 links stricken / locker abketten.

Anleitung: Pullover mit Hirschmuster strickenLisitipp: Wenn Du noch nie Norwegermuster gestrickt hast, würde ich erst mal mit einem kleineren Projekt anfangen (für Anfänger kann ich meine Anleitung zum Stricken von Norwegermustern empfehlen).

Norwegermuster in Runden stricken (wie bei gestrickten Norwegersocken) ist relativ einfach, weil man in Runden rechte Maschen stricken kann und der zweite Faden, den man gerade nicht braucht, immer auf der Innenseite verläuft.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Norwegermuster in Hin- und Rückreihen zu stricken ist ein wenig nervig: Nicht nur musst Du in den Rückreihen ja links stricken, sondern Du musst auch noch darauf achten, den zweiten Faden nicht hinter, sondern vor der Arbeit verlaufen zu lassen.

Das muss man erst mal ein wenig üben, damit das mit der Fadenspannung gut klappt. Auf dem unteren Bild kannst Du sehen, wie die Rückseite des Hirschmusters aussieht.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Die geringelten Ärmel stricken

Ui, die Ärmel waren dann noch ein bisschen widerspenstig. Nicht, weil das Stricken an sich kompliziert war, sondern weil die Streifenbreite nicht auf Anhieb gut aussehen wollte.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Ein kleines Umfrage-Bild auf Instagram hat mir bestätigt, was ich selbst auch schon dachte: Dünne orange Streifen abwechselnd mit dickeren auberginfarbenen Streifen. Beide Streifen gleich breit zu stricken sah irgendwie ein bisschen plump aus.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

  • Maße:
  • Maschen- und Reihenanzahl:
  • Technik: Die ersten XY Reihen 2 rechts, 2 links stricken / ab dann glatt rechts (in den Hinreihen rechte, in den Rückreihen linke Maschen) stricken / Zunahme immer in der XYten Reihe (immer nach der ersten und vor der letzten Masche eine Masche zunehmen, indem Du in den Querfaden einstichst und den Faden durchholst)/

Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Den Pullover zusammennähen

Das Zusammennähen ist mir immer ein relativer Graus: So viele Fäden und aaaah – aber sonst kann man das gute Stück ja leider nicht anziehen. (Wenn Du mal was an einem Stück ohne lästiges Zusammennähen stricken willst, kann ich Dir Raglan von oben empfehlen – hierzu habe ich letzthin einen Artikel über eine wunderbare Strickjake geschrieben).Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Für das Zusammennähen beginnst Du mit Vorder- und Rückenteil, die Du links aufeinanderlegst. Dann nähst Du zuerst die Schulterpartien mit Schlingstichen zusammen (wobei Du in der Mitte einen Abschnitt von XY cm freilässt – damit der Kopf gut durchpasst.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Dann nähst Du (immer noch alles auf links) die Mitte der oberen Ärmel-Kante genau an die Stelle, an der sich Vorder-und Rückenteil treffen. Von der Mitte aus nach rechts/links wird der Ärmel dann ganz festgenäht.

Dann hast Du auf beiden Seiten noch jeweils eine sehr lange Naht, mit der Du von Ärmel-Bündchen über den gesamten Ärmel bis an den Seitenteilen hinunter und bis zum Saum die Naht an einem Stück schließen kannst.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Dann musst Du nur noch die Fäden vernähen und dann bist Du so gut wie fertig. Ich habe das Gefühl, ich müsste das Muster vorne vielleicht nochmal dämpfen oder irgendwie waschen und spannen – hat hier jemand Erfahrung?

Ich muss mich hier ja jetzt nochmal outen: Ich hab mich noch nie mit dem ganzen „Waschen-und-Spannen“ beschäftigt. Ich geh gleich mal in die Ecke und schäme mich. Ein bisschen vielleicht.Anleitung: Pullover mit Hirschmuster stricken

Über das Ergebnis bin ich ziemlich begeistert und während ich den Artikel hier schreibe, mache ich mir wieder mal bewusst, wie toll das eigentlich ist: Ich kann mir einfach so einen Pulli stricken. Alles was ich dazu brauche, sind Wolle und Stricknadeln.

<<< Und währenddessen plant der Streber in mir schon, was mit den Wollresten passiert. Stay tuned! >>>