„Ist das Werbung, oder kann das weg?“

"Ist das Werbung, oder kann das weg?"Vielleicht habt ihr schon gesehen, dass in jedem meiner Beiträge seit neustem der Hinweis [Werbung weil Markennennung/-verlinkung] enthalten ist. Warum das so ist, möchte ich hier gern erklären. Nein, das stimmt nicht: Eigentlich will ich hier nur mal die Gelegenheit nutzen, mich ein bisschen abzureagieren und rumzuheulen. Ich bin frustriert.

[Werbung weil Markennennung/-verlinkung]

Dieses Internet gibt es ja nicht erst seit vorgestern. Trotzdem kommt es einem fast so vor, als hätten sämtliche Gesetzgeber, die EU, Abmahn-Anwälte etc. es jetzt ganz neu für sich entdeckt und ich stürze gefühlt von einer panischen Unsicherheit in die nächste.

Manches nehme ich mittlerweile mit Humor, weil es eben nicht anders geht. Trotzdem vergeht gefühlt seit ein paar Monaten keine Woche, in der ich nicht intensivst genervt mit den Augen rolle, weil ich schon wieder meine Instagram-, Facebook- oder Blogbeiträge (mittlerweile über 250 Artikel) nachbearbeiten muss."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

(Mal ganz abgesehen davon, dass ich sämtliche Bilder von sätmlichen Beiträgen nachträglich mit meinem Logo versehen muss, weil ich Trottel in meiner Gutgläubigkeit dachte: „Achwas, ein Logo oder Wasserzeichen braucht es doch nicht.“ Aber das ist nun wieder eine andere Geschichte…)

Was ist Werbung und was nicht?

Unter „Werbung“ verstehe ich persönlich ja eigentlich immer etwas Bezahltes. Sprich: EinE BloggerIN bekommt einen Geldbetrag X und verlinkt bzw. präsentiert ein Produkt über ihre/seine sämtlichen Plattformen.

Um die Transparenz zu wahren und die Verbraucher (also sämtliche User, die den Beitrag oder die Posts in den sozialen Medien sehen) nicht in die Irre zu führen, müssen solche Beiträge gekennzeichnet sein.

Wie der Fall der Bloggerin Vreni Frost leider gezeigt hat, ist das aber womöglich mittlerweile nicht mehr ausreichend: Auch Verlinkungen und Markennennungen, die nichts mit bezahlten Kooperationen zu tun haben, sind ohne Kennzeichnung als „Werbung“ eventuell abmahnfähig."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

Heißt im Klartext: Wenn ich hier auf Lisibloggt einen Anleitungs-Artikel zu einem Pullover oder einer Mütze veröffentliche und darin angebe, von welchem Hersteller das Garn stammt, werde ich das als Werbung kennzeichnen müssen. Auch, wenn ich das Garn selbst bezahlt habe und meine Leser lediglich darüber informiere, welche Materialien ich verwendet habe bzw. wo ich diese gekauft/bestellt habe.

Was mich hieran extrem stört: Das Halbwissen und die Unsicherheit. Gibt es jetzt wirklich eine Kennzeichnungspflicht? Oder ist das Panikmache? Wenn auch große Blogs verunsichert sind und ihre Beiträge nun mit [Werbung] kennzeichnen, muss ja wohl was dran sein. Übervorsichtige Menschen wie ich denken sich dann natürlich gleich: „Das muss ich auch machen, sofort und gründlich!“

Während ich mich dann mit der Umsetzung rumschlage denk ich mir aber eher sowas wie: „Warum ziehe ich nicht einfach in den Wald, wer braucht schon Internet? So ein Kack. Wie muss das früher schön gewesen sein, als es das alles noch nicht gab…“

Wie finanziert sich Lisibloggt eigentlich?

Das ist doch mal eine gute Frage und die Antwort überrascht vielleicht so manchen: Lisibloggt ist NICHT werbefinanziert. Mein Blog gehört mir, mir, mir und bevor ich meine tiefschwarze Blogger-Seele verkaufe und euch mit Schleichwerbung, Affiliate-Links und allen möglichen anderen Tricksereien zuballere, um auf Teufel komm raus meine Reichweite zu steigern, wird wohl noch einige Zeit vergehen (oder es wird nie passieren, nichts ist gewiss)."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

Jaja, das ist jetzt alles sehr überspitzt formuliert und maßlos übertrieben. Aber ist es nicht genau das, was man Bloggern automatisch andichtet? Dass sie möglichst schnell möglichst viele Fans und Follower haben möchten und deswegen skrupellos ihr Influencer-Image gegen Geld an große Marken verleihen und sich mit den Werbeeinnahmen auch noch ein goldenes Näschen verdienen?

Gerade deswegen bin ich in letzter Zeit so frustriert: Ich mache das als HOBBY. Ich verdiene nichts mit diesem Blog. Und trotzdem klatsche ich zur Sicherheit vor jeden Beitrag einen Hinweis auf (nicht vorhandene) Werbung, aus Angst vor einem persönlichen #abmahngate.

„Aber Du hast doch gesponserte Beiträge?“

Jupp, das stimmt: Wer mag, kann mir gerne Materialien zum Basteln, Stricken, Häkeln etc. zum Test zusenden und ich berichte dann darüber. Hierzu möchte ich anmerken: Ich gehe nicht hausieren und bettle bei Garnherstellern um Gratis-Proben oder ähnliches.

Sämtliche gesponserte Kooperationen wurden mir angeboten, indem man mich per Mail angeschrieben und gefragt hat, ob ich Interesse hätte, etwas zu testen/ rezensieren/ verlosen etc."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

Ein paar dubiose Anfragen (das Testen von Kippschaltern oder industriellem Spezial-Werkzeug) haben mich bislang natürlich auch erreicht, aber was soll ich sagen: Ich möchte hier keine Produkte testen oder vorstellen, für die ich selbst von vornherein keine Verwendung habe.

Das wäre euch Lesern gegenüber auch nicht richtig, denn ihr seid ja hier, weil es Anleitungen zum Stricken, Häkeln, Nähen oder für DIYs gibt.

Wenn ihr also in einem Beitrag das Wort „Produkttest“ oder „Gesponsert“ lest, bedeutet das, ich habe das Material kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen und schreibe dann darüber. Dass man solche Beiträge kennzeichnet, finde ich vollkommen sinnvoll: Denn für den Hersteller ist es (durch mich) kostenlose Werbung und als solche sollt ihr als Leser das auch erkennen.

Ist persönliche Empfehlung gleich Werbung?

Was mich außerdem stört ist, dass mit dieser (vermeintlichen) Kennzeichnungspflicht für redaktionelle Beiträge und ganz persönliche Meinung automatisch davon ausgegangen wird, alles würde mit Hintergedanken passieren, um den Verbraucher zu täuschen."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

Persönliche Empfehlungen à la: „Hey Leute, das Buch ist echt gut, lest das mal!“ oder: „Ich fand dieses und jenes Garn super, weil es sich gut verarbeiten lässt!“ bekommen mit der [Werbung]-Kennzeichnung gleich so einen offiziell-kommerziellen Beigeschmack.

Dass ich eine echte Person bin, die eben gerne Bücher von bestimmten Autoren liest, mit bestimmten Garnen strickt etc. (ohne, dass mich jemand hier für irgendeine Empfehlung bezahlt) fällt da völlig untern Tisch. Ich möchte euch aber weiterhin gerne darüber informieren, womit ich arbeite oder mit welchen Zutaten ich backe.

DSGVOhje, #abmahngate, Uploadfilter – und dann?

Was mich beunruhigt: Was kommt wohl als nächstes?
Was mich beruhigt: Ich bin ja nicht allein.

Zahlreiche meiner Blogger-KollegINNen und gerade auch viele kleine Blogs kämpfen mit den gleichen Ungewissheiten und machen trotzdem weiter.

Außerdem bin ich bei den Recherchen zu diversen schrecklich komplexen Themen auf viele tolle Blogs gestoßen, habe ein paar Podcasts in den Bereichen Datenschutz für Blogs, Kindererziehung (völlig random, weil ich noch längst keine Mama bin) und Lifestyle entdeckt und habe so meinen Horizont sogar ein bisschen erweitern können."Ist das Werbung, oder kann das weg?"

Bis mich die nächste Verzweiflungs-Welle packt (achja, DaWanda macht ja auch zu, muss ich noch meinen Shop umziehen ähäm) und ich panisch versuche, meinen WordPress-Quellcode selbst zu bearbeiten (also ich kann ja vieles, aber sowas eben nicht) wird hoffentlich noch etwas Zeit vergehen.

<<< In der Zwischenzeit könnte ich ja vielleicht zur Abwechslung mal wieder ganz in Ruhe was stricken, oder? >>>